Stellvertreter-Figuren

Wenn man Figuren selbst gestaltet kommt es schon während der Produktion zu einer emotionalen Auseinandersetzung mit der Figur und dem eigenen Thema.

Während man die Körperhaltung, Mimik und Gestik einer Figur erschafft, hält man innere Zwiesprache mit der Figur. Gefühle werden auf die Figur übertragen und ausgedrückt.

In der Trickfilmproduktion kommen dann noch andere Aspekte hinzu. Die Figur wird lebendig und agiert: Wem wendet sie sich zu? Wie bewegt sie sich? Und bei der späteren Vertonung: Was sagt die Figur? Zu wem spricht sie?

Aus einem Stück Knete oder Ton kann sehr viel entstehen. Und wenn sich diese Knete bewegt und später noch spricht hat das eine große Wirkung auf den, der sie hergestellt hat. Darin liegt eine große Kraft der Figurengestaltung im Trickfilm.

Natürlich kann man auch mit vorgefertigten Figuren arbeiten, mit Puppen, Holzfiguren, Tierfiguren, Kuscheltieren, Playmobilfiguren, abstrakten Figuren etc. Mit Figuren meine ich auch nicht ausschließlich „menschliche“ Stellvertreterfiguren, sondern auch Figuren, die innere Anteile symbolisieren, ein Symptom darstellen, Anteile eines inneren Teams sind etc..

 

Ertappt!

Trickfilmproduktion als Teil einer richterlichen Auflage – ein Projekt mit der Jugendgerichtshilfe Ahlen.

Der Anfang: sechs etwas unsichere jugendliche Mädchen. Das erste, mißglückte Mischen der Farben zu einem dreckigen Braun. Knetfiguren, die nicht stehen bleiben. Die Unsicherheit nicht, wie erwartet, bestraft zu werden.

Langsame Sicherheit und Vertrauen. Die Mädchen lassen sich auf das spielerische Wesen der Trickfilmproduktion ein. Sie bauen Kulissen, diskutieren über Dialoge und animieren ihre Szenen. Sie lassen Figuren handeln und sprechen. Der Diebstahl. Das Erwischt-werden. Die Scham. Die Angst. Der Trotz. Alles wir nachgespielt, nachgestaltet, nacherlebt.  Sie müssen ihre Gefühle nicht besprechen. Sie zeigen sie und bearbeiten und verarbeiten sie im Handeln.

Auf der Dialogebene probieren sie sich aus. Als Figur kann man sich bei der Mutter entschuldigen, in der Realität geht es noch nicht. Aber der Satz wird schon einmal mit etwas rauher Stimme gesprochen.

 

 

Trickfilmprojekt „Ertappt!“